Aus ASS wird VSS_Vertrauliche Spurensicherung nach Gewalt
Foto: Klinikum Leverkusen
v.l.n.r.: Dr. Cornelia Janzon (Klinik für Akut- und Notfallmedizin), Dr. Gabriele Fries (Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe), Andrea Frewer (Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt e.V., Koordination VSS), Cornelia Richrath (Gleichstellungsbüro Stadt Leverkusen), Rita Apke (SPZ gGmbH), Demet Incekara (Frauenberatungsstelle Leverkusen e.V. / Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt)
„Vertrauliche Spurensicherung“:
Erweiterte Hilfe für Gewaltbetroffene in Leverkusen
Bewährtes Angebot mit neuem Namen und erweitertem Zugang
Menschen, die sexualisierte oder körperliche Gewalt erleben, stehen häufig vor der schwierigen Frage, ob sie Anzeige erstatten möchten. Für eine spätere strafrechtliche Verfolgung ist es jedoch wichtig, Spuren zeitnah und gerichtsfest zu sichern.
Seit 2015 besteht in Leverkusen die Möglichkeit der „Anonymen Spurensicherung nach Sexualstraftat“ (ASS) für Frauen nach sexualisierter Gewalt. Seit Beginn des Projekts haben 59 Betroffene dieses Angebot genutzt. Sieben von ihnen entschieden sich später für eine Anzeige und konnten dabei auf die gesicherten Beweise zurückgreifen.
Durch neue gesetzliche Regelungen wurde das Angebot nun erweitert und trägt künftig den Namen „Vertrauliche Spurensicherung“ (VSS). Es richtet sich ab sofort an Personen jeglichen Geschlechts, die sexualisierte und/oder körperliche Gewalt erlebt haben und noch unsicher sind, ob sie Anzeige erstatten möchten.
Betroffene können sich rund um die Uhr an die Zentrale Notaufnahme des Klinikums Leverkusen wenden. Dort erhalten sie neben der medizinischen Versorgung bei Bedarf auch eine vertrauliche und gerichtsfeste Spurensicherung. Verletzungen werden dokumentiert und relevante Beweise gesichert.
„Die vertrauliche Spurensicherung ermöglicht Betroffenen, notwendige medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen und gleichzeitig wichtige Beweise zu sichern, ohne sich sofort für oder gegen eine Anzeige entscheiden zu müssen“, erklärt Dr. Cornelia Janzon, Oberärztin der Klinik für Akut- und Notfallmedizin. Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Klinik für Gynäkologie haben dieses Verfahren für Frauen nach sexualisierter Gewalt bereits vor rund zehn Jahren etabliert und damit wichtige Pionierarbeit geleistet.
Die Befunde und Proben werden über das Verfahren iGOBSIS unter einer individuellen Chiffrenummer dokumentiert und in der Rechtsmedizin Düsseldorf aufbewahrt. Entscheiden sich Betroffene später für eine Anzeige, können die gesicherten Beweise in ein Ermittlungsverfahren eingebracht werden.
Das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Netzwerk wird von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt e.V., Leverkusen koordiniert. Partner sind das Klinikum Leverkusen, das Gleichstellungsbüro der Stadt Leverkusen, das SPZ sowie neu dazugekommen die Frauenberatungsstelle Leverkusen e.V. , Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt.
„Wir begrüßen, dass nun auch Personen, die häusliche Gewalt erlebt haben, das Verfahren nutzen können“, erklärt Demet Incekara von der Frauenberatungsstelle Leverkusen e.V. , Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.
Um das Angebot bekannter zu machen, wurde ein neuer Informationsflyer erstellt. Über einen QR-Code gelangen Interessierte zu weiterführenden Informationen auf der Internetseite des Gleichstellungsbüros. Informationen und Ansprechpartner*innen finden sich außerdem auf den Internetseiten der beteiligten Beratungsstellen.
Mit dem erweiterten Angebot setzt das Leverkusener Netzwerk ein wichtiges Zeichen für niedrigschwellige Hilfe, verbesserten Betroffenenschutz und eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen. Andrea Frewer, Leiterin der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und Koordinatorin des Projekts, betont: „Betroffene von Gewalt befinden sich häufig in einer Ausnahmesituation. Das Verfahren hat sich bewährt, um ihnen schnell Unterstützung zu bieten und ihnen die Möglichkeit zu geben, zu einem späteren Zeitpunkt selbstbestimmt wichtige Entscheidungen zu treffen.“
Wir beraten weiterhin Frauen*, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, vor und nach der medizinischen Untersuchung und Sicherung von Spuren.